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Na und?, wo steht das ein Hundetrainer nur von Hunden was versteht?! Ich koche gern und will auf meiner Homepage auch Kochrezepte haben!. Hat jemand was dagegen?. Also demnächst kommen hier leckere Rezepte, für Hunde und für Menschen und jedes Rezept hat seine Geschichte. |
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Nach der Wende, als wir noch in Berlin wohnten, war die Markthalle in Tiergarten täglich mit vielen Ostberlinern und Polen überfüllt. Mit Leuten, die zum ersten Mal im Leben Obst und Gemüse frisch, billig und so viel sie wollten einkaufen konnten. Wassermelonen, Mangos, Bananen, Orangen aus Spanien, Tomaten aus Holland und Gurken aus Ägypten. Wenig Geld hatten die Leute, also wurde alles mehrfach gewendet und geprüft bevor gekauft. Viele westberliner Käufer fanden es nicht gut. Sie betrachteten die neuen Konsumenten aus dem Osten zwar duldend, aber arrogant. Bitte, sagten sie, bis die Dame sich endlich entschieden hat, welche Tomate die schönste ist, würde ich gerne ein Kilo Kiwi und vier Avocados haben. Danke. Die Ostberliner wurden rot, weil sie die Wörter verstanden haben. Die Polen auch. Weil Arroganz etwas internationales ist. Mich beobachteten alle Parteien mit Sondermitleid, weil ich zu der Kiste ging, in der die Abfälle des Tages lagen. Zermatschte Tomaten, die zu weich waren und faltige Paprikas. Ich arbeitete damals in der Orthopädiewerkstatt. Nach dem Feierabend waren meine Klamotten mit Gipsstaub bedeckt, der vom Modulieren mehrerer Gipsabdrücke stammte. Das Bild des schmutzigen Mannes, der im Abfall rumstocherte, brachte die Wessis zum Weggucken, die Polen und Ossis zum Hingucken. Die Wessis dachten sich: wie tief kann man sinken, die Ossis: so tief sind wir auch noch nicht. Nur Ahmed, der libanesische Verkäufer, grüßte mich lächelnd: Salam aleikum, Mister Fishman, wie geht’s? Nur er wusste, was jemanden dazu bringen kann, nach alten Tomaten und faltigen Paprikas in der Abfallkiste zu suchen. Die Sucht nach einem bestimmten Geschmack. Eine leckere Abhängigkeit. Schakschuka! |
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Ichssaa! sagen diejenigen, die das Wort Abfall lesen. Ichsaa, sagen sie, während sie an ihrem glanzverpackten Knabberzeug nagen, das aus Schlachtabfällen oder von der Chemieindustrie gepresst wurde. Ichsaa ist das, was man bei uns sagt, wenn man etwas ganz Ekelerregendes betrachtet. Reichtum macht dumm und Armut macht weise. Arm sein ist nicht gut. Bei uns sagt man, wenn man arm ist, kann sogar die Gesundheit eine Krankheit sein. Aber Armut macht innovativ. Die ersten Armen, die Innovation entwickeln mussten, waren die Frauen. Sie sorgten dafür, das auch in Not-Zeiten, die armen Kinder und besonders die armen Ehemänner schmackhaft satt wurden. Auch vor der Wiedervereinigung gab es solche, die Geld hatten, um die schönsten Tomaten und die knackigsten Paprikas zu kaufen . Es gab auch solche, die das Geld nicht hatten. Umsonst bekam man (eigentlich frau) nur die Sachen, die niemand haben wollte. Am Ende des Tages ging man zum Markt und holte sich die Abfälle. Defektes Gemüse, zerbeultes Obst. Fast alles wurde an die Hühner verfüttert. Die fraßen alles und legten Eier. Aber schade, dachten die Frauen und haben die Schakschuka erfunden. Für eine gute Schakschuka braucht man sechs frische Eier. Die kommen von den Hühnern. Hat man keine, kauft man sich welche, aber nur gute, wie man hierzulande sagt: Bioeier. Danach braucht man vier Paprika und vier Tomaten. Die Tomaten müssen weich, rot und sehr saftig sein, reif bis überreif. Die Paprika soll etwas Falten nachweisen können. Nur in dieser Verfassung werden die acht Schönheiten ihren wahren Geschmack, ihr wahres Aroma zur Schau stellen. Falls man sie von der besagten Kiste erworben hat, sollen die Tomaten gesäubert, geschält und in mittelgroße Stücke geschnitten werden. Die Paprika ebenfalls saubermachen, entkernen, defekte Stellen entfernen und in mittelgroße Stücke schneiden. Hat man beide Freundinnen frisch gekauft, sollen sie ein paar Tage bei Zimmertemperatur ruhen. In einen flachen Topf oder eine tiefe Pfanne etwas Olivenöl geben und erhitzen. Die Paprika anbraten, aber nicht töten. Sanft wenden, bis sie sich ergeben, aber noch lebendig sind. Tomaten mit Saft dazugeben und umrühren. Salz und Pfeffer dazugeben. Nicht zu viel. Abschmecken! Die Menge der Gewürze ist von der Geschmacksintensität des Gemüses abhängig. Zum Kochen bringen. Die Eier wie Spiegeleier über das Gemüse schlagen, also den Topf sozusagen mit Eiern pflastern. Den Herd auf die kleinste Stufe stellen, mit einigermaßen dichtem Deckel zudecken und geduldig ungefähr 60 Minuten schmoren lassen, oder bis das Gelbe und das weiße vom Ei fest geworden sind. Einfach, vegetarisch, umweltfreundlich, lecker. Am besten nach dem Kochen über Nacht ziehen lassen. Ist auch ein Frühstuck bei uns. Mit frischem Weißbrot kombiniert, ein Gesang! Übrigens, ohne Pfeffer, einwandfreies Hundefutter. Nach unzähligen hysterischen Emails, ordentlich und tabellarisch die Zutaten: 5 Eßlöffel Olivenöl 4 Paprika 4 Tomaten 6 Eier Abissel Salz Abissel Pfeffer Musik zum Schakschukakochen (am besten Haydens Chellokonzerto, Yo yo ma oder Jacqueline du pre) Ein oder zwei Hunde die aufmerksam den Kochprozes kontrollieren Nun wird gefragt, was werden die Hühner bekommen wenn wir Ihr Futter fressen? Gebt Ihnen den glanzverpackten Knabberzeug. Sie werden trotzdem Eier geben und zwar in besserer Qualität als die, die man kaufen kann. Ach hab es vergessen,,,,, Natürlich Sehug. Das ist so eine scharfe Soße mit Koriander und Knoblauch. Ein Gedicht für sich. |
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Als ich Kind war, hörte ich von meinen Eltern unglaubliche Geschichten über Deutschland. Sie erzählten mir, dass dort im Winter die Seen zufrieren. Fantastisch. Eis gab es bei uns nur im Tiefkühlfach. Sie erzählten, dass es dort schneit, Schnee ist so etwas wie Sand, aber weiß und kalt. Unglaublich. Sie sagten, wenn es eine Warteschlange gibt, warten die Leute geduldig, bis sie an der Reihe sind, ohne sich zu streiten, wer zuerst da stand. Gibt’s nicht. Sie sagten, die Menschen dort essen Fleisch mit Marmelade. Absurd. Alles ist wahr. Es friert im Winter. Es gibt Schnee. Höflich sind die Menschen tatsächlich, und Fleisch essen sie wirklich mit Preiselbeerenkonfitüre. Was mir damals absolut ekelhaft vorkam, schmeckt heute wunderbar.
Wir haben auch so eine Art Marmelade zum Fleisch und allem was herzhaft ist. Sehug. Nur statt einem süßen, hat Sehug einen sehr eigenständigen Geschmack. Ganz genau beschreiben, wie er schmeckt, kann man nicht. Die meisten Deutschen, die Sehug bei uns aßen, waren nicht in der Lage, irgendwelche großartigen Geschmacksempfindungen zu beschreiben. Sie waren beschäftigt mit trinken und schwitzen. Sehug ist nämlich scharf. Mein Freund Thomas, der was scharf essen betrifft, ein Naturtalent ist und außerdem mit einer türkisch aussehenden Frau verheiratet ist, sagte, nachdem er gekostet hat, lecker, einfach lecker. Er hat recht.
Also, man nimmt fünf scharfe Peperoni. Von der langen Sorte. Die bekommt man in jedem türkischen Laden. Die Farbe spielt keine Rolle. Rot wie grün, beide sind scharf. Einen Strauch frischen Koriander, den bekommt man im selben Laden oder auch in den Asialäden. Drei große Knoblauchzehen, ein Fingerchen Salz, zwei Esslöffel Öl, ein Fingerchen Kumin, Paar Kardamonkörner und paar kleinen Nelkenspitzen (die die zum backen da sind). Die Peperoni waschen, im Backofen bei 200 Grad ein paar Minuten backen, bis sie ein bissel Feuchtigkeit verlieren. Abkühlen lassen. Koriander gut waschen und absolut wasserfrei trocknen lassen. Knoblauch schälen. Alle Zutaten ausser Öl mit dem Fleischwolf oder der Küchenmaschine zu einem Brei verarbeiten Öl dazugeben und umrühren. 12 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.
Vorsichtig mit Weißbrot probieren. Am ersten Tag brennt’s, nach zwei Tagen wird man süchtig. Superlecker ist es, wenn man ein paar frische Tomaten ganz klein raspelt und dazu einen Löffel vom besagten Gift gibt. A Löffel a day, keeps the Doctor away. Prost! |
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