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Pferdeflüstern Dieser Sonntag Morgen im August war einfach großartig. Das war einer von den Tagen, an denen man sich wirklich naturverbunden fühlt. Strahlende Sonne, klarblauer Himmel, durch die geöffneten Fenster konnte ich hören, wie die Hunde, Vögel, Insekten, alles, wie mit Strom aufgeladen, in Übermut und Lebendigkeit richtig explodierte. Obwohl ich normalerweise nicht zu den Leuten gehöre, die gern früh aufstehen und wenn ich doch früh aufstehen muß, ziemlich lange brauche, bis ich voll funktionsfähig bin, ging es sogar mir an diesem Morgen einfach gut. So eine Energy von Optimismus und Stärke lag in der Luft, dass ich das Gefühl hatte, ich könne Berge mit der Faust zu Staub zermahlen, oder durch Wände einfach durchgehen. "Wenn du der Donna ihr Medikament gibst', sagte meine Frau, "backe ich in der Zeit Brötchen und Apfelkuchen, dann werden wir gemeinsam lecker frühstücken." Donna ist unsere Haflinger Stute. Ein lustiges und kluges hellbraunes Pony, mit ganz blonder Mähne und Schweif. Die Donna haben wir von einem Pferdehändler gekauft, der sie billig an uns verkauft hat. "Sie ist unglaublich schmusig", sagte er uns. "Lieb bis es nicht mehr geht, und dass sie die Schönheit selber ist, das sehen Sie doch selbst. Dieses Pferd ist, meiner Meinung nach', sagte er, "das optimale Freizeit Pferd." Zwei Kleinigkeiten hat er uns jedoch nicht erzählt, als er sie vor uns gepriesen hat. Dass sie sehr unerzogen ist, bzw. dass die einzige Erziehung , die sie bisher bekommen hatte, von unzähligen ehrgeizigen Reitschülern und Sportlern war. Reitschüler, die nur eins im Kopf hatten, nämlich für das Geld, was eine Reitstunde kostet, so viel wie möglich vom Pferd raus zu holen, und das um jeden Preis. Eigentlich das ganz normale Schicksal eines Schulpferdes. Ach, und dass die Donna unter chronischem Husten leidet, was bedeutet, dass sie für immer Medikamente bekommen muss. In einem Punkt hatte der nette Mann Recht. Ein optimales Freizeitpferd war die Donna wirklich. Viel Freizeit musste meine Frau investieren, bis sie die Donna normalisiert bzw. ansprechbar gemacht hatte. Donna ist heute unser bestes Therapiepferd. Sie ist arbeitswillig, ausgeglichen und zuverlässig. Nur husten tut sie noch, und muss eben Medikamente bekommen. Meine Aufgabe an diesem wunderschönen Morgen bestand darin, zur Weide zu fahren und der Donna eine Müslischale mit ihrem Medikament zu geben. Bei dem Wetter eine sehr angenehme Aufgabe. Dafür dann auch noch frische Brötchen und einen Apfelkuchen zum Frühstuck serviert zu bekommen... Die Weiden, wo unsere Pferde im Sommer standen, waren an den Flanken von drei ziemlich großen Hügeln gelegen. Man musste mit dem Auto durch das Neubaugebiet des Dorfes fahren, dann den Schotterweg hoch bis fast an die Spitze der Hügel. Dort aussteigen und ungefähr dreihundert Meter zu Fuß laufen, bis zur ersten Weide. Was für ein Blick, dachte ich mir, während ich lief. Was für ein Tag, und was für ein Apfelkuchen. Tatsächlich war es ein schöner Tag. Es war warm. So warm, dass ich nur kurze Badehose und meine Latschen an hatte. Mann, dachte ich mir, wie im Urlaub. Gedankenverloren erreichte ich den Zaun der Weide, bückte mich vorsichtig, um dem Stacheldraht, der von außen angespannt war, zu entkommen, und brauchte meine gesamte Geschmeidigkeitsreserve, um auch die Elektrobänder, die von innen angespannt waren, nicht zu berühren. Der Stacheldraht war da, um Pferdediebe zu erschrecken. Das Elektroband, um Pferde zu erschrecken. Eigentlich hätte ich durch das Tor gehen sollen, aber das war mir zu umständlich, mit allen Schlössern und Schlüsseln, die dazu erforderlich waren, um das Tor aufzumachen und wieder zuzuschließen. Dann wieder dasselbe mit der Schleuse, die da war, um zu ermöglichen, nur ein Pferd rauszuholen. Nee, zu umständlich.
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