Pferdeflüstern (Fortsetzung)

Frische Brötchen, Apfelkuchen, Kaffee und Mittagsschlaf, summte ich mir, während ich mit der Schale in der Hand vorsichtig auf der Schräge balancierte. Die Pferde standen ganz oben. Unter den Bäumen, die ihnen Schatten und Kühle spendeten.  Acht waren es.  "Doooonna!", schrie ich, die Schale zeigend, "Doooonna, guck mal was ich für dich hier haaaabe! Komm hiiiiiiiiiier Kleine, friss dein Medikament und ich gehe nach Haaaause, da wartet auf mich mein Apfelkuuuuuchen!"

Alle Pferdekenner sagen, dass Haflinger verfressen sind. Unsere Donna ist keine Ausnahme, im Gegenteil, sie bestätigt die Regel. Für Futter wird sie immer alles tun. Es war mir klar, dass sie ohne große Überlegungen zu mir kommen wurde, und so tat sie.  Erstaunlich für so ein dickes kleines Pferd.  Sie brach in sofortigem Galopp den Hang runter.  Die anderen Pferde, eben Herdentiere, auch. Ein schönes Bild für sich, nur alle rannten den Hang runter, zu schnell auf mich zu, und als sie circa fünfzig Meter von mir entfernt waren, habe ich das komische Gefühl bekommen, dass sie überhaupt nicht der Absicht sind, rechtzeitig zu bremsen.  Im Gegenteil, sie beschleunigten sich noch mehr. Heeeeei", brüllte ich, mit den Händen wedelnd. "Whoooooa! Laaaangsam!" Halb in Panik schmiss ich ein paar Erdklümpchen in ihre Richtung, aber statt, wie in den Büchern steht, dass Pferde keinen Menschen überrennen, Fluchttiere sind und bei Angriff eher abhauen, haben meine Flüche und Androhungen nur dazu beigetragen, dass die Pferde sich beschleunigten.  Donna, als trittsicheres Gebirgspony an der Spitze, gefolgt von sieben wilden Pferden, die nur eins im Kopf hatten.  Wer kriegt die Schale zuerst.  Dass ich die Schale in der Hand hatte, spielte für sie keine Rolle. Wenn es sein soll, zeigten ihre Augen, bringen wir dich um. Ich habe mich umgedreht, und so schnell wie ich konnte, rannte ich zum Zaun. Die Schale, muss ich sagen, noch fest in der Hand. Mein plötzliches Fluchtmanöver brachte die Pferde jetzt erst recht in die richtige Laune.  Die Donna, die an der Spitze der Bande war, wieherte laut wie ein Mustang. Schnappt den Idioten, hat sie wahrscheinlich ihren Kollegen zugeschrien, und alle gaben alles, was sie hatten - ich auch. Sie müssen sich vorstellen, wie das Szenario aussah. Eine Weide in Schräglage am Hang eines Hügels. Ein ängstlicher Mensch - das war ich.  Acht Pferde, die nur eins im Kopf hatten, nämlich mich umzubringen und ihr Trophäe abzukassieren. Die Pferde sind oben, ich bin unten, und die Frage war, ob sie mich erwischen, bevor ich den Zaun erreichen kann oder nicht.  Ich rannte so schnell ich konnte den Hang runter.  Wer mich kennt, kann sich leicht vorstellen, welche Problematik so ein Wettrennen für mich bedeutet.  Die, die mich nicht kennen, sollen wissen, das auf meine ein Meter achtundsiebzig Zentimeter Größe  einhundertundzwanzig Kilogramm gemütlich verteilt sind. Unabhängig davon, renne ich nur ungern.  Sogar das normale Gehen wird bei mir nur langsam durchgeführt. Hundeausbilder bin ich geworden, weil ich viel Erfahrung in den verschiedensten hündischen Verhaltensweisen gesammelt habe, und zwar dadurch, dass wir in meiner Heimat viele streuende Hunden hatten, sowie viele verantwortungslose Hundebesitzer.  In brenzligen Situationen konnten meine Freunde schnell abhauen oder auf einen Baum klettern, ich nicht. Also sportlich bin ich nicht.  Keuchend und nach Luft schnappend habe ich den Zaun erreicht, meine Latschen habe ich auf der Rennstrecke verloren. So, Elektrobänder, voll mit Strom geladen. Das wird euch Schweine zum Bremsen bringen, triumphierte ich. Die Schale noch fest in der Hand, bückte ich mich blitzschnell, um unter dem oberen Stromband durchzukommen. Die Futterschale bekommt ihr blöden Pferde nicht, dachte ich mir verbissen. Keinen Krümel davon!

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