Pferdeflüstern (Fortsetzung)

Weil ich mich sehr auf das obere Band konzentriert hatte, traf mich der Stromschlag vom unteren Band überraschend und kraftvoll im Fersenbereich.  Der Tau, der noch auf der Erde lag, und meine Barfüssigkeit haben den Schlag noch kräftiger gemacht.  Als ich jaulend hochsprang, traf mich das obere Band genau zwischen Nacken und Schulter.  Obwohl so ein Weidezaun-Stromgerät angeblich mit jeder Entladung Spannung verlieren soll, verhielt sich das Gerät an diesem wunderschönen Morgen genauso wie alle anderen, naturverbunden und kraftvoll. Kurz, der Schlag war so entsetzlich, dass er mich auf die Knie geworfen hat. Da hat mich das mittlere Band erwischt.  Hätte ich, wie an einem normalen Tag, Unterhose getragen, wäre es vielleicht nicht so schlimm gewesen.  Aber mit der kurzen Badehose, die viel Platz für Lüftung hatte, und ohne schützende Unterhose, war es ein Volltreffer. Das mittlere Band hat seine geballte Ladung direkt an meinem Hodensack entleert. Der Schock war so groß, dass ich aufgehört habe zu atmen. Ich schmiss mich zur Seite, in dem Versuch, nur weg von diesen Bändern zu kommen, rollte, und landete, auf dem Rücken liegend, auf der angrenzenden Weide.  In der Schale waren nur noch ein paar Krümelchen drin, aber immerhin hatten die Pferde sie nicht bekommen!  Ich habe mich entspannt. Jetzt bin ich sicher, dachte ich mir.  Bis ich das Donnern von mehreren Hufen in meiner Nähe gespürt habe.  Auf dieser Weide waren auch Pferde!  Solange ich von der einen Bande verfolgt war, hat die andere Bande nur interessiert zugeguckt, und hat geduldig gewartet, ob ich den ersten Abschnitt dieses Staffellaufs überlebe.  Jetzt haben sie grünes Licht bekommen, und sammelten Geschwindigkeit in meine Richtung. Bergab zu flüchten war schneller, aber unten gab es den Bach.  Da musste ich ins Wasser springen.  Bergauf war viel schwerer, aber da waren der Weg, das Auto, und das Ende dieses Alptraums. Schluchzend rannte ich nach oben.  Die Pferde aber waren viel schneller. Als ich den Zaun erreicht habe, waren sie ungefähr drei Meter hinter mir. Mir blieb keine Zeit mehr um großartig zu überlegen, wie ich durch die Bänder durch komme.  Nur eins war jetzt wichtig, hier raus zu kommen, lebendig, und zwar mit der Schale. Die Pferde werden nichts davon bekommen! Prinzip! Ich habe einen Kopfsprung gemacht. So wie man ins Pool springt. Die Schale voran. Zwischen dem oberen und dem mittleren Band.  Unglaublicherweise habe ich keinen Schlag bekommen.  So präzise war mein Sprung, dafür aber hat mich der Stacheldraht genau am Hinterteil erwischt und eine lange, schmerzhafte Schramme hinterlassen. Die Hose, wie man sagt, war auch im Arsch.

Ich landete auf dem Bauch, mit einer Wucht, die man nur mit der Notlandung eines Jumbo Jets vergleichen kann, mit dem Gesicht in der Schale.  Lange lag ich da, Gedanken überfluteten mich.  Gedanken über Pferdewurst, Pferdeschlachter als Traumberuf, und Pferdeerschießungen. Dann stand ich auf und ging verkrampft den Weg zum Auto zurück.  Ich wusste, was ich zu hören bekomme, wenn ich wieder zu Hause bin.  Das es blöd ist, den Strom nicht auszuschalten, bevor man irgendwas macht, dass es gefährlich ist, mit Futter eine Weide zu betreten, auf der mehrere Pferde stehen, dass Pferde wie Hunde Futterneid zeigen können, und dabei gefährlich sein können, dass ich die Schale einfach hätte werfen sollen, dass meine Arroganz mich in Schwierigkeiten bringt, dass ich noch mal zur Weide fahren soll, und das Ganze noch mal machen soll und zwar dieses Mal vernünftig. Das alles hätte mir meine liebe Frau bestimmt gesagt, hätte sie gewusst von alledem, was mir auf der Weide passiert ist. In der Küche, bei einer Tasse Kaffee und einem großen Stück Apfelkuchen fragte sie mich, warum es so lange gedauert hat, und warum ich so schmutzig sei, und was mit meiner Hose passiert sei.  "Gab es etwa Probleme mit den Pferden?

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